Latein lebt!

Gerade in Zeiten des "PISA-Schocks" ist das Bildungsfach Latein wieder im Trend, denn Lateinunterricht vermittelt genau die Fähigkeiten, in denen deutsche Schülerinnen und Schüler laut PISA Schwächen zeigen:PISA betont den Wert der Lesefähigkeit: Wird nicht gerade die Lesefähigkeit in Latein über viele Jahre hinweg systematisch und intensiv geübt?

PISA betont den Wert der Problemlösefähigkeit: Wird nicht gerade diese Fähigkeit in Latein besonders intensiv geübt, da man beim Übersetzen immer wieder den trainingswirksamen Prozess des Fixierens, Prüfens und Korrigierens der eigenen Annahmen durchlaufen muss?

PISA betont den Wert der Fähigkeit, Situationen aus der Sicht anderer zu sehen: Wird nicht gerade auch diese Fähigkeit in Latein durch den immer neuen Anreiz geübt, sich in das Denken und Fühlen der Menschen einer uns fernen und doch zugleich nahen Kultur zu versetzen?

Welche Wucht noch heute Worte und Themen der antiken Welt erzeugen können, hat der Erfolg der Filme "Troja" und "Alexander" bewiesen. Das Fazit all dieser Überlegungen lautet: Latein bedeutet Bildung ohne Verfallsdatum.

Dazu sagt Richard von Weizsäcker: "Humanistische Bildung ist nicht dazu da, unsere Probleme zu lösen, sondern sie sichtbar und verständlich zu machen. Humanistische Bildung ist kein abzufragendes Kulturgut, sondern ein Weg, sich im Leben zu orientieren." Dazu gehört auch die Heranbildung von sprachlichem "Geschmack". Aus unserer Sicht gehört zu einer humanistischen Bildung, dass Schülerinnen und Schüler empfänglich werden für den Klang der lateinischen Sprache, die kunstvolle sprachliche Gestaltung und den Charme lateinischer Texte.

Die Andersartigkeit altsprachlicher Bildung hat eine inhaltliche und eine methodische Seite. Die methodische Andersartigkeit im Vergleich mit den modernen Fremdsprachen zeigt sich darin, dass im Zentrum des Unterrichts durchweg die Auseinandersetzung mit der Muttersprache Deutsch steht. Die inhaltliche Andersartigkeit wird besonders auffällig, wenn man sich eines klarmacht: Kenntnis der Gegenwart und Lernen aus der Vergangenheit - nur dadurch entsteht Zukunftsfähigkeit! Fundierte Allgemeinbildung setzt die Beschäftigung mit Gegenwart und Tradition voraus.

Aus diesem Grunde gilt für uns: Wir möchten jungen Menschen die Gelegenheit zur gründlichen Beschäftigung mit den Wurzeln der europäischen Kultur geben, denn dies ist nicht nur ein Beitrag zur Bildung des Geistes und der Persönlichkeit jedes Einzelnen, sondern hat auch Bedeutung für die künftige Existenz unserer Gesellschaft insgesamt!