Philosophie

Philosophie, griechisch: philosophia = Liebe zur Weisheit, Streben nach Weisheit. Vermutlich haben solche Regungen die Menschen schon lange bewegt, bevor mit den griechischen Vorsokratikern im abendländischen Kulturkreis die ersten namentlich bekannten Philosophen auftraten.

Worum es in der Philosophie geht, hat Immanuel Kant in eine unübertroffen knappe Form gebracht:

  • Was kann ich wissen?
  • Was soll ich tun?
  • Was darf ich hoffen?

Zusammengefasst in der Frage: Was ist der Mensch?

Das ist auch heute noch das Programm aller Philosophie, also auch des Philosophie-Unterrichts.

Fragen stellen:
Das ist die zentrale Tätigkeit allen Philosophierens, mustergültig vorgemacht durch das beharrliche Fragen des Sokrates in den Dialogen Platons. Es geht um die Überprüfung angeblicher Gewissheiten und vermeintlich schlüssiger Argumente im Hinblick auf ihre Begründbarkeit. Damit wohnt der Philosophie von Anfang an ein Konzept von Aufklärung inne, ein Versuch der Emanzipation von falschen „Wahrheiten“. Sie zielt damit letztlich auf die Erreichung von Autonomie, auf die Befähigung des Einzelnen, sich selbst Zwecke setzen und über diese rational Rechenschaft geben zu können.

Philosophie-Unterricht in einem altsprachlichen Gymnasium wie der Gelehrtenschule? Hauptsächlich stehen selbstverständlich dieselben Lehrplan-Themen im Mittelpunkt wie an den anderen Gymnasien.

In der Sekundarstufe I stellen wir uns zum Beispiel die folgenden Fragen:

  • Klasse 5: Welche Funktion und Bedeutung heben unsere Namen?, Was ist wahre Freundschaft?, Was bedeutet Glück und glücklich sein?, Welche Funktion und Bedeutung hat das Spiel für den Menschen?
  • Klasse 6: Was ist die Zeit?, Was bedeutet Familie?, Was heißt es, mit Schwächeren umzugehen? Wie ist die Erde entstanden? Was macht den Menschen als lernendes Wesen aus?
  • Klasse 7: Was heißt Träumen und Denken, Erinnern und Vergessen?, Welche Funktion und Bedeutung haben Regeln?, Was heißt es, tolerant zu handeln?, Was ist Angst?

Und in der Sekundarstufe II:

  • 11.1 Einführung in das philosophische Denken (anthropologischer Reflexionsbereich): Worin unterscheiden sich Mensch und Tier? Welches Verhältnis hat der Mensch zur Technik?; Weshalb unterscheiden wird zwischen Leib und Seele? Worin besteht der Unterschied zwischen Geist und Gehirn? Wie gelange ich zu einem Bild meiner Selbst? Wie sehen mich andere?
  • 11.2 Ethisches Begründen, Urteilen, Handeln (moralisch-praktischer Reflexionsbereich): Was heißt Freiheit? Warum muss ich mein Handeln begründen?, Woran erkenne ich eine gute ethische Theorie?, Welche Kriterien oder Prinzipien für gutes Handeln lassen sich festlegen?
  • 12.1 Wahrnehmen, Erkennen und Denken (erkenntnistheoretischer Reflexionsbereich): Was ist Wirklichkeit? Wie nehme ich Wirklichkeit wahr?, Wie lässt sich Virtualität im Verhältnis zu Realität bestimmen? Was ist Wahrheit? Wie lässt sie sich definieren? 12.2 Metaphysisches Fragen und Deuten (metaphysischer Reflexionsbereich): Muss oder kann das Universum einen Anfang in der Zeit haben? Was ist der Sinn unseres Lebens? Gibt es Gott? Lässt sich Gott beweisen? Welche Bedeutung hat der Tod für den Menschen?
  • 13.1 und 13.2 In dieser Klassenstufe sind nun keine speziellen Themen mehr im Lehrplan vorgeschrieben. Vielmehr ist jetzt das Ziel, die bis dahin einzeln untersuchten Fragen Kants zusammenzuführen. Mögliche Inhalte, die zu diesem Ziel führen können, sind „Das Böse“ oder „Die Frage nach dem Sinn des Lebens“, aber auch andere Untersuchungsfelder sind denkbar. Zusätzlich wird in Klasse 13 ein besonderes Augenmerk auf die Projektarbeit gelegt. Dadurch sollen die Schülerinnen und Schüler zum einen natürlich vermehrt selbstständiges sowie eigenverantwortliches Arbeiten lernen, zum anderen aber auch auf das mündliche Abitur/die Präsentationsprüfung vorbereitet werden.

Hinzukommen kann dann aber noch etwas Besonderes:

Philosophische Begriffe und Texte aus der griechisch-römischen Antike können – zumindest ansatzweise – im Originalwortlaut studiert werden. Und in der Oberstufe sind interessante fächerübergreifende Verbindungen zu Lektüren im Latein- oder Griechischunterricht möglich. In der modernen Philosophie ist die Rolle der Sprache mehr und mehr in den Mittelpunkt philosophischen Nachdenkens gerückt. Alle Schüler/innen der KGS lernen mit dem Lateinischen eine Sprache kennen, die im Vergleich mit dem Deutschen oder auch mit modernen Fremdsprachen den Blick schärfen kann für unterschiedliche Sprachstrukturen und ihre geistige Leistung. D.h.: Erste Schritte in Richtung Philosophie der Sprache sind also möglich.