Kieler Gelehrtenschule

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zum Geburtstag von Max Planck

In der Küterstrasse, Gedenken an Max Planck

Im Hause Küterstrasse 17 wurde vor 150 Jahren, am 23.4.1858, Max Planck geboren. Das war der Jahnshof, das wohl vornehmste Haus in der sonst unbeliebten Küterstrasse, wohnten da doch in den Jahrhunderten zuvor die Schlachter, Abdecker, Gerber und der Scharfrichter. Waren durch diese Gewerke schon die Gerüche nicht angenehm, so war es auch der Kleine Kiel nicht als stehendes Gewässer. Dieses Haus aber hatte einen wundervollen großen Garten, dabei stand eine Windmühle. Das Haus selber war ein hochaufgetrepptes Haus, durch sein spitzes vierseitiges Dach gut zu erkennen. Die hohen Zimmer hatten Stuckdecken und Gemälde über den Türen, wie es heute noch im Warleberger Hof (Stadtmuseum) zu sehen ist. Aber schon um 1860 wurde der Garten parzelliert, das Gebäude von der Stadt erworben und als höhere Mädchen-Bürgerschule eingerichtet. Es ist anzunehmen, dass die Familie Planck damals umziehen mußte. Der Vater, Ritter Johann Julius Wilhelm von Planck, war hochangesehener Professor für Kriminalistik, Universitätsrektor 1856/7 und a.o.Beisitzer am Oberappellationsgericht. Der Bruder, Hugo Planck, geb.1846, machte 1864 Abitur an der Gelehrtenschule und wurde später Senatspräsident am Reichsgericht in Leipzig.

Im Hause Küterstraße 5 kam der kleine Max Ludwig Planck 1863 an die Gelehrtenschule, genauer gesagt in die Vorschule. Die Schule lag damals in einem alten Gebäude, einem ehemaligen Adelshof, der seit 1803 als Schule genutzt wurde. In den Räumen des Erdgeschosses zur Straße hin waren die Quarta, Quinta, Tertia und Septima untergebracht; zum Schulhof hin die Sexta. "Es ist das Gebäude der Kieler Gelehrtenschule das schlechteste in ganz Holstein... Es gibt Leute, die da meinen, für die Eulen der Minerva sei ein solches Gebäude gut genug", klagte der damalige Rektor. "Da dumpft die Küterstraße und ihr Stall", schrieb der Dichter Detlev von Liliencron. Der Schulhof hatte verwachsene Birnbäume, zur Linken lagen Abort und Müllgrube, zur Rechten die Dienstwohnungen der Lehrer. Max Planck ist in den Klassenbüchern der Vorschule, die noch vorhanden sind, verzeichnet. Er wird wohl den Vorschullehrer M.W. Fack gehabt haben, vielleicht auch schon den Vorschullehrer Schade und den Zeichenlehrer Wolperding. Mit ihm auf der Schulbank saßen der spätere Lehrer Andreas Detlefsen, die späteren Kieler Kaufleute Adolph Leopold und Friedrich Nebendahl, ferner der spätere Bonner Literaturprofessor Berthold Litzmann. Letzterer schreibt in seinen Erinnerungen, dass keiner in seiner Klasse Verständnis für das Lesen des "Sommernachtstraums" im elterlichen Hause gehabt habe, "nur der kleine Max Planck in seinem blauen Kittel mit schottischem Besatz hört mit einem stillen, verständnisvollen Lächeln zu. Denn seine Eltern sind ja dabeigewesen. Aber das ist nur einer, und auch er ist bald nicht mehr da ... Das hat einen schweren Abschied gegeben, und nachdenklich betrachten wir Kinder, belustigt die Erwachsenen den Spruch, den seine schön schreibende Kinderhand in das Stammbuch einer meiner Schwestern eingetragen: 'Überwinde den, der in dir ist.' Das verstehen selbst wir nicht. "Im Januar 1864 erlebte der Junge den Einmarsch der preußischen Truppen, 1865 den der österreichischen Truppen, 1866 wieder den der preußischen. 1867 verließ er als Sextaner die Schule, da sein Vater (bisher Professor für Kriminalrecht an der Universität) nach München verzog. Dort machte der Junge 1874, 16 Jahre alt, das Abitur. "Wunderkind hat ihn keiner genannt. Doch seine Lehrer sparten nicht mit Lob. Der junge Max Ludwig Planck muss der ideale Schüler gewesen sein, ein täglich sich erfüllender Wunschtraum für Pädagogen des vorigen Jahrhunderts. 'Verspricht etwas Rechtes', attestierten sie ihm schon früh, 'tüchtig und liebenswürdig'..." (KN 4.10.97).

Im Hause Küterstraße 8 lag das Gösselsche Haus, das 1820 der Organist und Musiklehrer der Gelehrtenschule Apel erworben hatte. 1854 wurde es umgebaut und als Physikalisches Institut genutzt. Es wird berichtet, dass die Schüler der Gelehrtenschule, wenn sie sich langweilten, auf die dort angebrachten Medaillons von Naturwissenschaftlern an dem gegenüberliegenden Haus schauten. In diesem Gebäude lehrte Max Planck von 1885-89 Theoretische Physik als außerordentlicher Professor, bevor er nach Berlin berufen wurde.

nach Herfried Ehlers (1998 in den "Mitteilungen" 25)
Quelle für die Texte: Historisches Lesebuch zum 675-jährigen Jubiläum der Kieler Gelehrtenschule 1995